22
Dezember
2016
|
09:02
Europe/Amsterdam

Weihnachten ist für alle

Von Lidia Jerke – Mitten im August startet die Planung für „Schenk ein Lächeln“: Die Weihnachtsgeschenk-Boxen müssen gestaltet werden, Kooperationseinrichtungen gefunden und alles geplant werden. Die Kollegen kommen nicht umhin zu schmunzeln, wenn sie mich im Hochsommer im Weihnachts-Fieber erleben.

Mitarbeiter packen Päckchen

Bei „Schenk ein Lächeln“ bekommen die Mitarbeiter einen leeren Geschenk-Karton, befüllen diesen mit Spielzeug, Süßigkeiten, Kleidung oder Büchern für ein Kind. Und wer soll das Päckchen kriegen? Schnell noch Geschlecht und Alter ankreuzen – fertig. Die Geschenke kommen sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu Gute, die an Weihnachten sonst nicht allzu reich beschenkt werden.

Für die, die sonst leer ausgehen

2016 ist ein besonderes Jahr: Bereits zum zehnten Mal haben die Mitarbeiter von Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank Weihnachtsgeschenke für benachteiligte Kinder zusammengestellt. Über die Jahre hat „Schenk ein Lächeln“ immer mehr Anhänger gefunden. Viele Daimler Standorte im In- und Ausland haben sich inzwischen der Weihnachtsaktion angeschlossen.

Überzeugungstäterin

Seit zwei Jahren bin ich in einer Doppelfunktion mit dabei. Als Päckchen-Packerin, denn mir gefällt die Idee, jemanden zu beschenken, den ich nicht kenne. Und als Koordinatorin dieses Corporate Social Responsibility-Unternehmensprogramms.

Schön soll es sein, praktisch und sinnvoll

Es ist Mitte November und kalt geworden in Süddeutschland. An einem Samstagnachmittag suche ich Zuflucht vor der Kälte in einem großen Kaufhaus. Die Regale der Spielwarenabteilung sind gefüllt mit Puppen, Kuscheltieren, Brettspielen und Maluntensilien. Kinder rennen lachend durch die Gegend, Eltern – auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken – blicken ein wenig verzweifelt umher.

Auch ich bin auf der Suche nach einem Geschenk für… Für ein Kind, das ich nicht kenne. Gerade weil ich nicht weiß, wer mein Päckchen bekommen wird, gebe ich mir besonders viel Mühe bei der Auswahl der kleinen Kostbarkeiten. Schön muss es sein, praktisch und auch sinnvoll. Über Süßigkeiten freut sich jedes Kind. Natürlich sollten dann eine coole Zahnbürste und Zahnpasta nicht fehlen. Da kommt der Spießer in mir durch. Das Buch mit dem Titel „Unsere Erde“ kommt auch in mein Paket.

Aber welches Geschenk würde ein Kind wirklich beeindrucken? Mein Blick fällt plötzlich auf ein Lego-Set mit einer Tierarztpraxis. Ein bunter Traum aus vielen kleinen Plastiksteinen. Das ist es. Als Achtjährige und Lego-Fan hätte ich mich riesig über dieses Geschenk gefreut und hoffe, dass mein Päckchen prima ankommt. Ein wenig wehmütig werde ich nun schon, dass ich nicht dabei sein kann, wenn mein Päckchen ausgepackt wird.

Der erste Schnee

Zufrieden verlasse ich mit den Geschenken den Laden, als es zu schneien anfängt. Große, wunderschöne Flocken fallen vom Himmel. Der erste Schnee im Jahr ist immer etwas Besonderes. Vielleicht ist es ein Zufall, dass es gerade in diesem Augenblick schneit. Vielleicht aber auch nicht, denke ich mir, und muss dabei lächeln.

Der Truck kommt!

Es ist Mitte Dezember und der „Schenk ein Lächeln“-Truck steht auf dem Vorplatz der Mercedes-Benz Bank. Die Ankunft des Trucks läutet auf dem Pragsattel auch die Jahresabschlussfeier mit Punsch und Plätzchen ein und weihnachtliche Stimmung macht sich breit. In wenigen Stunden stapeln sich die Pakete auf dem Truck – manche davon verziert mit opulenten Schleifen und bunten Aufklebern. Andere wiederum sind in Geschenkpapier eingehüllt.

Adieu, Geschenke – kommt gut an!

Wenn der Truck am Abend bepackt losfährt, ist meine Arbeit offiziell getan. „Schenk ein Lächeln“ ist allerdings noch nicht zu Ende. Noch sind die Päckchen nicht bei den Kindern angekommen. Für mich ist klar, dass ich als freiwilliger Helfer bei der Paketausgabe mit dabei sein will.

Der große Tag

Samstagnachmittag. In einer Woche ist Weihnachten. Es herrscht geschäftiges Treiben in der Stuttgarter Innenstadt, in den Kaufhäusern und auf dem Weihnachtsmarkt. Auch im Leonhardsladen, der von der Schwäbischen Tafel betrieben wird, ist es brechend voll. Es gibt vier Tafelläden im Großraum Stuttgart. Dort können sozial benachteiligte Personen günstige Lebensmittel erwerben, die andere Supermärkte der Tafel spenden.

Im Tafelladen

Im Sortiment gibt es von allem etwas, aber es scheint nicht immer alles zu geben. Die Atmosphäre ist anfangs ein wenig beklemmend. Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel heißen uns herzlich willkommen und gemeinsam besprechen wir den Ablauf während sich draußen in der Kälte eine lange Warteschlange bildet. In sechs verschiedenen Sprachen wird am schwarzen Brett des Tafelladens seit Wochen auf die Ausgabe der Pakete hingewiesen. Nun sind sie da: Großfamilien, Alleinerziehende, Geflüchtete. Sie alle drängen mit ihren Kindern in den Laden, um die Päckchen abzuholen.

Kinder im Glück

Die Kinder stürmen von allen Seiten Richtung Geschenke, sodass nur wenig Zeit für Gespräche bleibt. Ich frage, wie sie heißen, wie alt sie sind, in welche Klasse sie gehen, nach der Lieblingsfarbe und was sich aus dem Moment heraus ergibt. Eine Frage bekomme ich selbst an diesem Nachmittag besonders oft zu hören: ob ich denn weiß, was in dem Päckchen drin ist? Als ich antworte, dass der Inhalt des Päckchens auch für mich eine Überraschung ist, lächeln wir gemeinsam.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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