23
März
2018
|
12:25
Europe/Amsterdam

Arbeitsmethode: Working Out Loud

Wegbereiter einer neuen Arbeitskultur

Offen, agil, effizient und schnell – die Ansprüche an unsere Arbeitskultur nehmen ständig zu. Das erfordert neue Arbeitsmethoden. Janine Kirchhof arbeitet als Personalentwicklerin bei der Mercedes-Benz Bank und ist außerdem zertifizierte Mentorin für „Working Out Loud“. Eine Methode, die von offener Kommunikation und einem starken Netzwerk lebt. Ein Beitrag über den Weg zu einer neuen Arbeitskultur.

 

Von Janine Kirchhof - Die Arbeitswelt ist durch die Digitalisierung nicht nur vernetzter, auch die Aufgaben sind komplexer geworden. Schwarmintelligenz, also das Einbeziehen vieler Meinungen und Blickwinkel, ist deswegen gefragter denn je. Mit dieser Veränderung haben es auch jede Menge neuer Methoden für Unternehmen auf den Markt geschafft, die die Zusammenarbeit von Mitarbeitern effizienter gestalten sollen. In meinem Job als Personalentwicklerin beschäftigt mich das jeden Tag. Ich arbeite mit vielen Fachbereichen an ganz unterschiedlichen Themen und stelle mir dabei immer wieder die Frage: Wie können wir unsere Zusammenarbeit optimieren? Uns vor allem noch stärker vernetzen, um wirklich das volle Potenzial unserer Kompetenzen auszuschöpfen?

Wissen teilen für Synergieeffekte

Um in der vernetzten Welt effizient zusammenzuarbeiten, müssen wir über Abteilungen und Hierarchien hinweg miteinander kommunizieren, uns gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Voraussetzung dafür sind nicht nur technische und organisatorische Rahmenbedingungen, sondern auch die richtige Einstellung. Die Arbeitsmethode Working Out Loud setzt genau hier an und möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man seine Ziele schneller erreicht, wenn man in einem Netzwerk arbeitet und sein Wissen mit anderen teilt. Wissen teilen, um Synergieeffekte zu nutzen – das macht Sinn, dachte ich. Gleichzeitig war ich etwas skeptisch, schließlich ist aktives Wissensmanagement auch nichts Neues, sondern eigentlich selbstverständlich. Trotzdem war meine Neugierde geweckt, als ich das erste Mal von dieser Arbeitsweise aus den USA hörte und ich schloss mich kurzerhand einer selbstorganisierten Working Out Loud-Gruppe an, um das Ganze selbst zu testen.

Wie Working Out Loud funktioniert

Der Grundgedanke von Working Out Loud ist schnell erklärt: Es geht darum, durch netzwerkbasiertes Arbeiten seine eigenen Ziele zu erreichen. Dazu finden sich die Teilnehmer zunächst in einem sogenannten „Circle“ zusammen, der meist aus fünf bis sieben Personen besteht. Jeder definiert für sich zu Beginn ein individuelles Ziel. Und dann? Dann wird vernetztes Arbeiten gelebt! Über die Gruppe, die sich übrigens interessensbasiert zusammenfindet, lerne ich neue Kollegen aus anderen Bereichen kennen, mit denen ich bisher noch nicht zusammengearbeitet habe und wahrscheinlich auch sonst nicht in Kontakt kommen würde. Mit ihnen tausche ich mein Wissen aus und finde den richtigen Ansprechpartner, der mir dabei hilft, mein eigenes Ziel zu erreichen. Dabei werden natürlich auch soziale Netzwerke wie Twitter, LinkedIn, Blogs oder das Intranet genutzt.

Über drei Monate hinweg arbeitet man in wöchentlichen Treffen für jeweils eine Stunde in seinem Circle an seinem Ziel. Das Netzwerk lebt von der Devise „Geben und Nehmen“ und orientiert sich an fünf Prinzipien: Beziehungen pflegen, großzügig Wissen teilen, sichtbar arbeiten, sinnvoll ausprobieren und zu guter Letzt: die eigene Komfortzone verlassen. Zur Unterstützung gibt es für jedes Treffen eine Agenda, die kleine Übungen beinhaltet. Zu Beginn wird beispielsweise die Grundlage für den Aufbau des persönlichen Netzwerks gelegt: Jeder erstellt eine Liste mit Personen, die mit dem eigenen Ziel in Verbindung stehen und einem dabei helfen können, es zu erreichen. Nach und nach folgen Übungen, beispielsweise zur Beziehungspflege, Verbesserung des Zeitmanagements und zum sichtbaren Arbeiten.

Bei meinem ersten Circle war für mich schnell klar, was mein kleines Projekt werden würde: Ich wollte mich gerne im Bereich Finanzen weiterbilden, da ich als studierte Geisteswissenschaftlerin keinen wirtschaftlichen Hintergrund hatte.

Die Resonanz auf meinen ersten Working Out Loud Circle bei der Mercedes-Benz Bank war überwältigend, schon bald führte ich weitere Circles durch und hielt Einführungswebinare. Mittlerweile ist Working Out Loud nicht nur ein fester Bestandteil unserer Einführungsveranstaltungen für neue Mitarbeiter, sondern in unserer Arbeitskultur verankert.

Es beginnt auf der kleinsten Ebene, auf der jeder Mitarbeiter seine persönlichen Ziele verfolgt und schafft zugleich die Grundlage für vernetztes Arbeiten im Alltag, sodass abteilungsübergreifende und interkulturelle Zusammenarbeit gefördert wird.

 

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