30
Mai
2017
|
18:03
Europe/Amsterdam

Vielfalt will gelebt sein

Von Stephan Schütz  Vielfalt oder neudeutsch „Diversity“ schreiben sich viele Firmen auf die Flagge. Es gibt kaum ein Unternehmen, das sich nicht für mehr Toleranz einsetzt. Doch wofür steht Diversity und ist es mehr als nur ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor? Stephan Schütz, Sprachtrainer und Koordinator der Arbeitsgruppe Diversity Day in der Mercedes-Benz Bank, gibt anlässlich des Diversity Days einen Einblick, was für ihn persönlich zählt...

Ein Perspektivenwechsel ist gefragt

Ich beobachte, wie der Reifen kurz an der Ecke hängen bleibt. Der Kollege aus dem Vertrieb kommt ganz schön ins Schwitzen, schüttelt die Arme aus und holt tief Luft. Beim „Daimler Diversity Day“ in der Mercedes-Bank hat er die Möglichkeit, einmal im Rollstuhl durch die Bank zu fahren und so nachzuvollziehen, wie sich das anfühlt, wenn Hindernisse im Weg sind. Vor der Kantine testen derweil andere Mitarbeiter, wie es ist, Lebensmittel wahrzunehmen, ohne sie zu sehen: Lässt sich Popcorn erfühlen, wenn man nicht gerade im Kino ist? Angebote zum Perspektivwechsel helfen, diesen Wert über den Tag hinaus im Gedächtnis der Kollegen zu verankern und zum Nachdenken anzuregen. Diversity gelingt nicht, indem man einen Tag im Jahr dem Thema widmet, aber es kann ein erster Anstoß sein – gelebt werden muss Vielfalt das ganze Jahr. Umso wichtiger ist es, sich damit auseinanderzusetzen, was Diversity eigentlich bedeutet. Zwar kommt einem der Begriff an jeder Ecke zu Ohren, doch jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Man denkt dabei an verschiedene Dinge wie Geschlecht oder kulturellen Hintergrund, vergisst aber leicht Dimensionen wie beispielsweise Religion, (körperliche) Einschränkungen oder sexuelle Orientierungen. Doch genau das macht die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und damit unserer Mitarbeiter aus und stellt aus meiner Sicht eine großartige Bereicherung des Unternehmens dar.

Wie gelingt Diversity im Unternehmensalltag?

Für mich persönlich fängt Diversity auf der zwischenmenschlichen Ebene an: Jeder kann so sein, wie er ist, ohne sich gegenüber den Kollegen verstellen zu müssen. Das klappt aber nur dann, wenn wir uns für unsere Kollegen über die Arbeitsthemen hinaus interessieren. Dadurch entsteht ein gegenseitiges Verständnis für das Anderssein der Anderen. Für mich ist Vielfalt ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur und zwar einer, der nicht von meinem Arbeitgeber vorgegeben werden kann, sondern von uns im Alltag gelebt werden muss. Die Vielfalt der Mitarbeiter ist aber auch für das Unternehmen wichtig. Denn würden wir gleich ticken, hätten wir nur einen engen Blickwinkel. Durch Vielfalt gewinnen wir verschiedene Perspektiven und das lässt uns besser auf die Kundenwünsche eingehen, die mindestens ebenso vielfältig sind. Umso wichtiger ist es, dass auch der Arbeitgeber die Chancen erkennt und Vielfalt in der Belegschaft fördert. Diversity muss immer wieder neu gedacht und vorgelebt werden. Sicherlich werden wir nie sagen, jetzt sind wir vielfältig genug.

Letztlich setzt sich Vielfalt aus vielen Dimensionen zusammen. Manche sind mehr sichtbar, manche weniger. Durch meine Arbeit als Sprachtrainer weiß ich zum Beispiel, dass Sprachkenntnisse eine wichtige Dimension sind. Das Beherrschen einer Fremdsprache gibt einem die Freiheit, andere Kulturen zu entdecken, neue Menschen kennenzulernen und mehr Selbstbewusstsein zu erlangen. Ich bin überzeugt, dass Diversity aus einem persönlichen Antrieb heraus gelebt werden muss – das steht in keiner Stellenbeschreibung.

Diskutieren Sie mit: Was bedeutet „Diversity“ für Sie?

Kommentare (0)
Danke für Ihre Nachricht.