26
Januar
2018
|
07:52
Europe/Amsterdam

Brückenpraktikum bei Daimler Financial Services

Starthilfe für Geflüchtete

Manches kann man nur gemeinsam schaffen. Integration gehört auf alle Fälle dazu. Jana Senger, Managerin Global Business Policies bei Daimler Insurance Services, spricht aus Erfahrung. Die gebürtige Kasachin weiß, wie schwer es sein kann, in einem fremden Land Fuß zu fassen. Das hat sie motiviert, einen Praktikanten aus Syrien zu betreuen.

 

Von Jana Senger - Obwohl es mittlerweile schon 22 Jahre zurückliegt, erinnere ich mich noch genau daran, wie es war, als ich nach Deutschland gekommen bin. Daheim in Kasachstan hatte ich gerade mein Studium der Philologie beendet, als mein Mann und ich beschlossen, in seine Heimat zu ziehen. Nach Deutschland. Meine Deutschkenntnisse beschränkten sich auf „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ - nicht die besten Voraussetzungen, um einen Job zu finden. Tatsächlich war die erste Zeit in Deutschland nicht einfach. Aber ich habe viele hilfsbereite Menschen kennengelernt, die mich unterstützt und auch meinen Berufseinstieg hier erleichtert haben. Heute bin ich als Teamleiterin im Bereich Global Business Policies für Ausschreibungen von Versicherungsdienstleistungen und die Erstellung von Richtlinien verantwortlich.

Als ich von dem Integrationsprojekt „Brückenpraktikum“ erfuhr, war für mich sofort klar: Ich mache mit! Bei diesem Programm bieten Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter Geflüchteten und Asylbewerbern die Möglichkeit, 14 Wochen lang ein Praktikum zu absolvieren. Vormittags sind die Praktikanten im Fachbereich im Einsatz, nachmittags geht es zum Sprachkurs. In meinen Augen eine tolle Initiative, um die Arbeitskultur kennenzulernen. Also leitete ich alles in die Wege, sprach mit meinem Chef, der Personalabteilung und informierte die Kollegen. Als wir grünes Licht bekamen, ging es für eine Kollegin und mich zum interkulturellen Training. Werte und Besonderheiten der arabischen Kultur standen auf der Agenda.

Ein paar Wochen später stand Salaheddin vor mir und lächelte unsicher. In Syrien hatte er als Lebensmittelverkäufer gearbeitet. Zwei Jahre war er inzwischen in Deutschland und hat die Sprache so gut gelernt, dass wir alle überrascht waren. Jetzt lag es an uns, ihm so viel wie möglich von unserem Berufsalltag zu zeigen, ihm unsere Arbeits- und Unternehmenskultur näher zu bringen. Wir haben im Vorfeld einen Einsatzplan aufgestellt, organisierten Gespräche mit Kollegen, nahmen ihn mit zu Meetings und erklärten die Arbeitsabläufe. Er berichtete von seinem Leben in Syrien vor und während des Krieges und von seiner langen Flucht über die Türkei und den Balkan. Für uns waren die Geschichten manchmal kaum vorstellbar. Schwere Kost in der Mittagspause. Menschen, die in Kellern versteckt um ihr Leben fürchteten. Freunde, die in seiner unmittelbaren Umgebung starben. Nun saß er bei mir im Büro und arbeitete an Wettbewerbsanalysen und PowerPoint-Präsentationen.

Natürlich habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was ich in meiner Rolle als Führungskraft in dieser Situation leisten kann, welche Erwartungen Salaheddin an das Praktikum hat. Schnell war mir klar, dass es weniger die fachlichen Dinge sind, die den Einstieg in einen fremden Arbeitsmarkt erleichtern. Offenheit, Geduld und ein Vertrauensvorschuss meines ersten Arbeitgebers haben mir geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Ein Arbeitsplatz ist ein grundlegender Bestandteil der Integration. Mittlerweile hat Salaheddin eine Anstellung bei einem anderen Arbeitgeber gefunden, was mich mit Freude und auch mit ein bisschen Stolz erfüllt. Mein Fazit ist, dass ich als Führungskraft einen Beitrag leisten kann, indem ich über Engagement und Vertrauen Brücken baue.

 

Mehr zum Brückenpraktium

Bei dem Integrationsprojekt können Asylbewerber und Geflüchtete für 14 Wochen ein Praktikum absolvieren. Die Teilnehmer werden von der Bundesagentur für Arbeit und den lokalen Jobcentern ausgewählt. Täglich findet ein Wechsel statt zwischen dem Einsatz im Unternehmen und dem Besuch eines Deutschkurses (je 3,5 Stunden pro Tag). Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

Kommentare (0)
Danke für Ihre Nachricht.