08
November
2018
|
14:50
Europe/Amsterdam

Starthilfe für ein neues Leben

Aus Neuankömmlingen werden Entrepreneure: Mitarbeiter von Daimler Financial Services unterstützen mit der gemeinnützigen Organisation SINGA Menschen, die in Stuttgart eine neue Heimat gefunden haben. Sie helfen ihnen bei der Gründung einer eigenen Firma und verhelfen ihnen damit zu einem selbstbestimmten Leben.

Für Ameen Amer sind geschredderte Plastikflaschen Gold wert – am besten, wenn sie auch noch gereinigt und etikettlos sind. Dafür gibt’s nämlich den besten Preis. Die PET-Flaschen möchte der 41-Jährige künftig aus seiner Heimat Jemen nach Deutschland importieren und sie dann an hiesige Recyclingfirmen verkaufen. Das ist die Geschäftsidee des Mannes, der in Stuttgart ein neues Zuhause gefunden hat. In dem vom Krieg zerstörten Land auf der Arabischen Halbinsel sah er keine Perspektive mehr. Doch der bürokratische Aufwand und die rechtlichen Hürden sind hoch.

Mit der Existenzgründung zu einem selbstbestimmten Leben

Damit aus seinem Traum Wirklichkeit wird, lässt er sich von der gemeinnützigen Organisation SINGA Business Lab in Stuttgart helfen. Diese bietet für Zugewanderte Workshops an, um sie fit für die Existenzgründung zu machen und ihnen den Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu ebnen. Mit dabei sind auch Mitarbeiter von Daimler Financial Services, die sich ehrenamtlich einbringen. Einer von ihnen ist Maximilian Bade, der sich auf Start-ups spezialisiert hat. „Wir haben gemeinsam mit SINGA Workshops konzipiert und uns vor allem in der Konzept- und Entwicklungsphase intensiv mit den Projekten auseinandergesetzt“, berichtet er.

Maximilian prüft gemeinsam mit den Existenzgründern, wie und in welcher Form, ihre Ideen umsetzbar sind. „Wir stellen viele Fragen und spielen verschiedene Szenarien durch. In den ersten zwei Monaten konnten wir die Geschäftsideen der Teilnehmer so weit entwickeln, dass die Konzepte und Prototypen stehen“, erzählt er. Weiterhin haben die angehenden Unternehmer den Markt analysiert, ob ein Bedarf für ihre Geschäftsideen besteht. Die Ideen reichen von einem Cateringservice mit syrischen Spezialitäten über die Herstellung von Taschen aus ausgedienten Lkw-Planen bis hin zu IT-Services für arabischsprachige Kunden.

Die Teilnehmer erhalten Einblicke in alle relevanten Themen

Maximilian betont: „Wir möchten natürlich vermeiden, dass viel Zeit und Geld in ein Produkt oder eine Dienstleistung gesteckt werden, die später kein Mensch braucht.“ Auf dem Programm stehen auch Workshops zu den Themen Steuern, Finanzierung und Recht. Einige wurden auch direkt bei Daimler Financial Services auf dem Stuttgarter Pragsattel angeboten. „Besonders das deutsche Steuer- und Rechtssystem kann für Menschen, die neu in Deutschland sind, schwer zu verstehen sein“, weiß er.

Weitere Ideen gibt es in unserer Bildergalerie:

Ameen Amer stand schon kurz davor, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, aber am Ende machten ihm rechtliche Vorgaben einen Strich durch die Rechnung. Dann kam ihm die Idee mit den Plastikflaschen. „Ich möchte so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen“, betont der Neu-Stuttgarter. Kontakte zu Geschäftsleuten in Deutschland hat er von früher, als er in Jemen ein Import/Export-Geschäft betrieb. Zuvor war er Mitarbeiter in der deutschen Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.

Die Bürokratie ist eine große Hürde, aber notwendig

Es sei nicht einfach, eine eigene Firma in Deutschland zu gründen. „Daher ist es hilfreich, wenn es Menschen gibt, die einem bei Problemen zur Seite stehen“, sagt er. Insbesondere die typisch deutsche Bürokratie mache ihm zu schaffen. „Aber dafür gibt es hinterher keine Probleme“, ist er sich sicher. In Jemen dagegen laufe alles nur mit Schmiergeld und über Beziehungen.

Dass die international tätige Organisation SINGA an Daimler Financial Services herangetreten ist, hat einen guten Grund. „Das Unternehmen hat eine große Expertise im Bereich Start-up-Förderung und ist damit ein idealer Partner für unser Existenzgründerprogramm“, sagt Peter Schumacher, Gründungsmitglied des SINGA Business Labs in Stuttgart. Den Ansatz erklärt er folgendermaßen: „Die Gründung eines eigenen Unternehmens kann ein Weg sein, um finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen und aktive Teilhabe in der Gesellschaft zu fördern.“

Daimler Financial Services übernimmt soziale Verantwortung

Und warum machen Maximilian und seine Kollegen mit? „Eines der Ziele von Daimler Financial Services ist es, seine soziale Verantwortung im unmittelbaren Umfeld wahrzunehmen. Außerdem können wir unser Know-how weitergeben und gleichzeitig selbst weiter dazu lernen“, erklärt der Stuttgarter, der sich schon privat in der Flüchtlingshilfe engagiert hat. So hat er ein Fußballtraining für zugewanderte junge Erwachsene organisiert und mit seiner Frau Kindern Nachhilfe gegeben.

Seine privaten Erfahrungen, die er dort gemacht hat, decken sich mit den Beobachtungen aus den Workshops: „Die Teilnehmer sind sehr wertschätzend und dankbar für die Hilfestellungen“, sagt Maximilian und berichtet von einem großen Einsatz. „Man muss sich vor Augen halten, dass viele von ihnen eine Vollzeitstelle haben und nebenbei an der Firmengründung arbeiten. Dennoch sind sie sehr aufmerksam und aktiv in den Sitzungen.“

Entweder man macht es oder man lässt es

Ameen Amer, der im Recycling ein gutes Geschäft wittert, möchte am Ende des Programms im kommenden Februar durchstarten. Einen Firmennamen hat er auch schon – „IdealAmer“. Und der soll Programm werden. „Wenn ich etwas mache, dann muss es einwandfrei sein, und dafür stehe ich mit meinem Namen!“, sagt er und lächelt.

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