09
März
2018
|
09:55
Europe/Amsterdam

Blockchain-Hackathon

Schlaflos in Stuttgart

Ein Wochenende lang an einem digitalen Prototypen zum Thema Mobilität tüfteln – mit wenig Schlaf, aber in lockerer Atmosphäre. Sabrina Hiller aus dem Team für Digital Strategy and Transformation bei Daimler Financial Services war beim Blockchain-Hackathon in Stuttgart als Mentorin dabei.

 

 

Von Sabrina Hiller - Freitagabend in Stuttgart. Feierabend? Wochenende? Fehlanzeige! In den Räumlichkeiten der Stuttgarter Merz Akademie tummeln sich über hundert Leute. Es wird getüftelt, konzeptioniert und heiß diskutiert. Flipcharts mit Businessplänen und Designentwürfen überall. Nein, hier trifft sich nicht der Chaos Computer Club, sondern Entwickler, Designer und Business Experten aus verschiedenen Ländern. Der Anlass: Daimler, Bosch und die Landesbank Baden-Württemberg haben als Sponsoren zum Blockchain-Hackathon geladen. Und ich bin mittendrin.

Was ist ein Blockchain-Hackathon?

Ein sogenannter Hackathon ist ein Hacking-Marathon. Das hat in diesem Fall so gar nichts mit Cyberkriminalität zu tun, sondern mit der Entwicklung kreativer Lösungsansätze in kürzester Zeit. Verschiedene Teams aus Entwicklern und Experten haben dabei meist 48 Stunden, um zu einem bestimmten Thema einen Prototyp und einen dazugehörigen Business Case zu entwerfen. Anschließend wird das Ergebnis einer Jury vorgestellt und die Teams mit der besten Umsetzung gewinnen einen Preis. Hackathons sind oft sehr intensiv, Schlaf ist dabei Mangelware. Trotzdem werden handfeste Ideen und sogar Prototypen entwickelt – für mich jedes Mal beeindruckend.

Als erfahrene Hackathon-Teilnehmerin und Mitglied des Daimler Financial Services Blockchain-Schwarms stand für mich fest: Bei einem „Hack“ in Stuttgart bin ich dabei! Diesmal allerdings als Mentorin, die den Teams mit anderen Daimler Kollegen beratend zur Seite steht. Unsere Frage an die Teilnehmer lautete: Wie kann die Blockchain-Technologie die Zukunft der Mobilität voranbringen?

Die Blockchain-Technologie kennen die meisten sicher von der berühmtesten Kryptowährung Bitcoin. Eine Blockchain ist eine verteilte und unveränderliche Aufzeichnung von Transaktionen. Jeder Block beinhaltet Transaktionsdaten, einen Zeitstempel und einen kryptographischen Fingerabdruck des vorhergehenden Blocks. So werden die Blocks miteinander verbunden und es entsteht eine unzerstörbare Blockkette – eine Blockchain.

Anders als eine klassische Datenbank ist eine Blockchain nicht zentral installiert, sondern existiert lediglich aus den direkten Verbindungen der Teilnehmer untereinander. Jeder Beteiligte kann die gesamte Historie einsehen. Die Transaktionsdaten sind im Nachhinein nicht manipulierbar, ohne dass alle Beteiligten es mitbekommen, denn nach einer Änderung passen sie nicht mehr zum Fingerabdruck und machen den Eintrag ungültig. Das macht die Technologie vielfältig einsetzbar - ob bei der Aufzeichnung von Wählerstimmen oder bei notariellen Tätigkeiten. Aber auch im Zusammenhang mit Mobilität. Wie das genau aussehen kann? Daran arbeiteten die Teams mit Hochdruck.

Blockchain-Lösungen für Mobilität

Am Samstag ging der Marathon der kreativen Ideen in die Vollen. Prototypen wurden gebaut, es wurde designt und programmiert. Wir Mentoren versorgten die Teams nicht nur mit Cola und Brezeln, sondern unterstützten vor allem mit unserem Wissen in den Bereichen Mobilität, Telematik, Finanzen und Blockchain, bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und in Vorbereitung auf die Pitches. Die meisten Teams machten auch nachts keine Pause. Sonntags war es dann soweit: 17 Gruppen präsentierten ihre Ideen für den Einsatz der Blockchain-Technologie im Bereich Mobilität.

Einige Anwendungsfälle waren für Daimler Financial Services besonders interessant. Zum Beispiel eine Blockchain-Lösung, die Dashcam-Videos mithilfe des unveränderbaren Zeitstempels vor nachträglicher Manipulation schützt und somit Versicherungsbetrug entgegenwirkt. Ein weiteres Team hat an einem Prototyp gearbeitet, der in autonom fahrenden Fahrzeugen eingesetzt werden kann, um im Falle eines Unfalls mithilfe der unveränderbaren Aufzeichnung die Schuldfrage zu klären. Das kann man sich in etwa so vorstellen: Autonom fahrende Fahrzeuge werden untereinander Informationen austauschen, zum Beispiel über den Ort, an dem sie sich bewegen, oder über die Geschwindigkeit, mit der sie unterwegs sind. Durch diese Kommunikation wird der Verkehr geregelt. Wenn trotzdem ein Unfall passiert, ist es nicht mehr die Schuld des Fahrers, sondern die des Betriebssystems. Um zu beweisen, welches der Systeme nicht richtig reagiert und den Unfall verursacht hat, dienen die anderen Fahrzeuge an der Unfallstelle als Zeugen - und die Blockchain-Technologie als Beweismittel.

Spannende Ideen - und spannend, zu sehen, wie unterschiedlich die Ansätze und Herangehensweisen der Teams sind. Ob als Mentorin oder als Teilnehmerin, nächstes Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

Der Blockchain-Schwarm bei Daimler Financial Services

16 Mitarbeiter aus sieben Ländern arbeiten im Schwarm funktionsübergreifend daran, wie die Blockchain-Technologie bestmöglich in die Unternehmensprozesse integriert werden kann, um das Kundenerlebnis zu optimieren.

Weitere Informationen zum Blockchain-Hackathon finden Sie hier.

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