12
August
2016
|
11:46
Europe/Amsterdam

Mehr Fußball, weniger Drumherum – Plädoyer eines VfB-Fans

Von Matthias Bukor - Auf die Frage „Bist Du ein eingefleischter VfB–Fan?“ antworte ich mit „Jein“. Ich bin keiner von denen mit 1893-Tattoo, Trikot und Schal. Aber wenn die Frage darauf zielt, ob es für mich nur einen Verein gibt, zu dem ich stets gehalten habe und immer halten werde, dann lautet die Antwort ganz klar: „Ja!“.

Geboren und aufgewachsen in Stuttgart, stellt sich für mich die Frage nach einem anderen Verein als dem VfB ohnehin nicht. Ich suche mir ja bei der EM oder WM auch nicht einfach willkürlich eine Mannschaft aus, sondern ich halte zu der, mit der ich etwas verbinde – meine Heimat. Ich bin mit Fußball aufgewachsen und liebe das Spiel. Genau das versuche ich auch an die Jüngsten in meinem Heimatverein weiterzugeben, wo ich seit 15 Jahren die G-Junioren trainiere. Den Kids zwischen vier und sieben Jahren versuche ich den Spaß am Spiel zu vermitteln, anstatt nur dem Spaß am Gewinnen. Eine Philosophie, die im Moment auch dabei hilft, VfB-Fan zu sein. Und so war der Abstieg in die 2. Liga für mich auch kein Weltuntergang.

Überwältigende Kulisse

Den Zweitliga-Auftakt des VfB habe ich live im Stadion mitverfolgt. Ich war schon oft im Stadion, aber letzten Montag war einiges anders. Zunächst die Kulisse – wow! 60.000 Menschen, alle in weiß, das war beeindruckend und für mich völlig unerwartet für die 2. Liga. Dem oft sehr kritischen Stuttgarter Publikum habe ich so ein Statement für seinen Verein nicht zugetraut.

Ungewohnt war auch, unbekannte Spieler auf dem Rasen zu sehen. Da musste ich zweimal hinschauen und erst einmal die fremden Namen den Gesichtern und Rückennummern zuordnen. Und das bei meinem eigenen Team… Dementsprechend war auch das Gefühl während des Spiels: Die neu zusammengestellte Mannschaft und die Kulisse passen noch nicht so richtig zu einander, sondern müssen sich erst noch finden. Ich hatte den Eindruck, 40.000 Zuschauer weniger hätten der Mannschaft einiges an Druck genommen. Die Erwartungen sind hoch, die Angst, zu versagen schien größer als die Lust darauf, sich den Erfolg zu erarbeiten. Das merkte man den Spielern an.

Mehr Fußball, weniger Drumherum!

Das Spielergebnis am Ende war zwar erfreulich, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es mit etwas Glück zu Stande kam. Ich bezweifle stark, dass das Team von Anfang an um den Wiederaufstieg mitspielen kann, aber das ist mir auch nicht so wichtig. Was ich im Stadion sehen will, ist eine Mannschaft, die Lust auf Fußball hat und nicht so sehr auf das Vermeiden von Fehlern aus ist. Wenn die Mannschaft wieder Spaß daran hat, vor einer solchen Wahnsinns-Kulisse zu spielen, anstatt diese als Bürde zu empfinden, kommt der Erfolg wahrscheinlich von ganz allein. Ich spare mir hier einen langen Diskurs zum Thema, was in den vergangenen Jahren beim VfB alles schief gelaufen ist und schaue lieber nach vorn. Ich würde mich aber über mehr Fußball und etwas weniger Drumherum freuen.

Was ich mir deshalb für den VfB wünsche, ist ein bodenständiges Team aus jungen und engagierten Talenten mit Mut, Selbstvertrauen und Teamgeist. Ein Team mit Bock auf Fußball. Mut wünsche ich auch dem neuen Management des VfB. Damit es sich die Zeit nimmt, ein solches Team aufzubauen – allem Erwartungsdruck zum Trotz. Dieser Weg würde uns nicht unbedingt schon im nächsten Jahr wieder in die Erste Liga führen – aber langfristig zum Erfolg. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass auch die Mercedes-Benz Bank am VfB festhält und unter Beweis stellt, dass sie für Nachhaltigkeit steht und auch in schwierigen Phasen ein starker Partner ist, dem man vertrauen kann. Darauf kommt es bei einer Bank doch an.

Kommentare 1 - 1 (1)
Danke für Ihre Nachricht.
Larissa Bried
29
August
2016
Toller Artikel! Ich bin der gleichen Meinung wie Matthias: "Spaß am Spiel, anstatt nur Spaß am Gewinnen" und "eine Mannschaft, die Lust auf Fußball hat und nicht so sehr auf das Vermeiden von Fehlern aus ist" - das wünsche ich mir für den Fußball generell und besonders natürlich für unseren VfB!