02
Februar
2017
|
15:40
Europe/Amsterdam

Kamera ab!

Von Jens Schmidt – „Lust auf was anderes?“, fragte mein Chef. „Na klar!“, entgegnete ich, ohne wirklich zu wissen, worauf ich mich da einließ. Bewerber ansprechen mit einem Video? Versuchen kann man’s ja mal, dachte ich. Mit einer solchen Resonanz hatte ich damals jedenfalls nicht gerechnet! Aber eines nach dem anderen…

Die etwas andere Stellenausschreibung

Mitte Oktober erfuhr ich davon, dass unser Unternehmen in der Ansprache potenzieller Bewerber etwas Neues ausprobieren wollte: „Videorecruiting“ nennen meine Kollegen aus der Personalabteilung das. Gemeint ist ein kurzes Video, in dem eine vakante Stelle – ob Werkstudentenjob, Praktikum oder Festanstellung – auf ganz persönliche Art vorgestellt wird. In unserem Fall: von denen, die den Job zu vergeben haben. Wer sich den Clip anschaut, bekommt nicht nur eine Vorstellung davon, was die Tätigkeit mit sich bringt, sondern lernt gleich auch die potenziellen Kollegen kennen und bekommt einen Eindruck vom Arbeitsumfeld.

Sprung ins kalte Wasser

Ich wurde sofort neugierig – schließlich hatte ich gleich mehrere Stellen zu besetzen. Unter anderem eine für das Produktmanagement Versicherung, Schwerpunkt Portfoliomanagement. Ich ließ mich auf das Experiment ein. Von da an ging alles ganz schnell.

Vor dem Dreh bekam ich folgende Infos zu Aufgabe und Zielen:

- Stelle in visuelles Format bringen

- sich als Chef bewerben

- Dauer 45 Sekunden

- Mehrere Locations / Schnitte

OK, dachte ich. 45 Sekunden sollten zu schaffen sein. Stelle beschreiben und greifbar machen. Und mich als Chef gut verkaufen. Versuchen wir es mal.

Folgende Punkte sollten laut Regieanweisung im Video für die Stelle „Mitarbeiter Produktmanagement“ enthalten sein:

- Kurzes Intro

- Meeting Situation mit Team

- Auto-Erlebnis (Schnittbilder vom Gebäude, Fahrzeug vor der Bank)

- Arbeitsplatz-Situation mit Erklärung Job

Damit war Raum für Kreativität gegeben – sicherlich bestens geeignet für einen Bühnenkünstler der spontanen Art. Wie ich mich als Schauspieler machen würde – ein emigrierter Bajuware, der bei der Mercedes-Benz Bank aktuell Versicherungsprodukte managt – war noch offen.

Gar nicht so einfach…

Ich machte mir einige Gedanken und ließ den Dreh auf mich zukommen. Es war kühl, nass und grau an diesem Montag. Dennoch entschieden das Kamerateam und ich, den Videodreh draußen zu beginnen. Wirkt authentischer. Nach einigen Lockerungs- und Aufwärmübungen konnte es losgehen. Es hat richtig Spaß gemacht, sich von dem professionellen Team, bestehend aus einem Kameramann und zwei Regieleitern, anweisen zu lassen.

Dem schnellen Erfolg stand jedoch einer im Weg: ich selbst! Entweder war mein Stand zu statisch, meine Position nicht richtig oder meine Aussprache zu undeutlich - naja, ein Bayer halt. Als es endlich klappte, hupte ein Auto vor dem Bank-Gebäude. Nochmal von vorn!

Szene für Szene

Nachdem die erste Szene im Kasten war, ging es in das Gebäude hinein. In der Eingangshalle war es deutlich wärmer, ein Glück. Schon nach dem achten (oder achtzehnten?) Anlauf war auch diese Szene erledigt. Weiter ging es in das zweite Obergeschoss zum Dreh mit dem Team. Alle hatten Spaß und so war auch diese Sequenz bald abgedreht.

Fazit: mühsam aber lohnenswert

Ich war erstaunt, wie viel Aufwand in Summe nötig war für einen am Ende gerade mal 45 Sekunden-langen Video-Clip. Die Schauspielerei gehört wohl eher nicht zu meinen Kernkompetenzen. Die Mühe und den Einsatz war es dennoch Wert – können nüchterne Stellenausschreibungen wohl kaum die Emotionen wecken, welche mit unserer Marke verbunden sind.

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Und wie kam das Video draußen an?

In einem der ersten Bewerbungsgespräche für die vakante Stelle wurde ich bereits auf das Video angesprochen. Das Feedback war sehr gut, der Film verleihe der ausgeschriebenen Stelle mehr Profil und Gesicht. Offensichtlich funktionierte die neue Art der Bewerber-Ansprache hervorragend. Zwischenzeitlich ist die Position in meinem Team besetzt und das Video erneut, für eine weitere Stelle, in Verwendung.

Auf dem Schulhof meiner Tochter

Einen spaßigen Nebeneffekt hatte das Video auch: Tage später besuchte uns eine Klassenkameradin meiner Tochter Yara zu Hause und begrüßte mich mit den Worten: „Sie sehen in echt ja auch so aus, wie in dem Video.“ Eine persönliche Wertung ließ sie dabei offen. – Sehr höflich, schließlich bin ich ja schon über vierzig. Offensichtlich bin ich nun in der Schule meiner Tochter bekannt. Sie hat den Link mit der Klasse geteilt. Viele Mitschüler haben sich das Video angesehen und meine 15-Jährige ist stolz auf den digitalen Papa.

Mir zeigt das: Es ist richtig, andere Wege zu beschreiten und sich neuen Medien zu öffnen. Aber Schauspieler werde ich so schnell wohl nicht.

Hier geht’s zu den Recruiting-Videos von Daimler Financial Services

 

 

Kommentare 1 - 3 (3)
Danke für Ihre Nachricht.
Herrmann
03
February
2017
Stetiger Wandel treibt uns an und erfordert neue Wege. Ihr seid ganz vorne! Und jeder neue Kollege darf sich auf das Versicherungsteam & den "Spirit" freuen. Macht echt Laune, mit Euch zusammenzuarbeiten.
Sabine Mohr
03
February
2017
Super Beitrag, Jens - innovativ, professionell, authenthisch und sympathisch - so wie ich Dich persönlich sehr schätze.
Ali Shahab
03
February
2017
Sehr cool.
Sympathisch und innovativ- so kennen wir unsere Versicherungskollegen.
@ Und lieber Jens, Du hast Dich gut gehalten - - - für einen über 40 jährigen. :-))
Jens Schmidt
04
February
2017
Vielen Dank für Eure tollen Zeilen.
Und Ali: es waren ja keine Nahaufnahmen dabei :-)