21
September
2018
|
10:30
Europe/Amsterdam

Erfindergeist bei Daimler Financial Services

Im Stau oder unter der Dusche

Manchmal braucht es nur eine kleine Idee, um einen Umbruch zu entfachen: Wer bei Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank einen Geistesblitz hat, der Mitarbeiter oder Kunden voranbringt, kann ihn auf einer internen Innovationsplattform vorstellen. Kommt dieser gut an, wird er in die Tat umgesetzt. T. Gantzhorn sprüht nur so vor Kreativität und hat schon mehr als 30 Ideen eingebracht. Damit trägt er auch dazu bei, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Es ist nicht lange her, da bestellte er ein Massivholzbett über das Internet. Geliefert wurde nach drei Wochen, 100 Euro wollte der Spediteur haben. Da kam ihm die Idee: Warum nicht eine App entwickeln, mit der man Frachtaufträge zwischen B2C sowie C2C vermitteln könnte. „Wenn tagtäglich viele Mercedes-Fahrer ohnehin von A nach B fahren, würde dies nicht nur die Kosten, sondern auch die Lieferzeit reduzieren“, erklärt der gebürtige Stuttgarter und sieht in der Fracht-Mitfahrbörse großes Potenzial: „Der Markt boomt, jeder bestellt doch heute im Internet!“ Es dauerte nicht lange, und er stellte seine Idee auf die interne Innovationsplattform „HATCH“ ein. Das Feedback war positiv, und vielleicht wird das Ganze eines Tages in die Tat umgesetzt.

Mit seinen Ideen möchte T. Gantzhorn auch das Unternehmen nach vorne bringen.Es war nicht seine erste Idee, die er auf „HATCH“ hochgeladen hat und so mit allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geteilt hat. In den letzten zwei Jahren lieferte er 36 Einfälle, die teilweise in der Umsetzung sind. So wie er, können alle Mitarbeiter von Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank auf der Plattform einfach und schnell Ideen einbringen, Kommentare abgeben und Mitgestalter werden. Hinter „HATCH“ steckt ein Netzwerk von 40 internationalen Experten, die für verschiedene Themengebiete zuständig sind und bei weiteren Schritten unterstützen. Im besten Fall wird ein Budget bereitgestellt, und aus der Idee wird ein Projekt. „'HATCH' ist ein einfacher Weg, Ideen zu kommunizieren und den Austausch anzuregen“, sagt er. „Insbesondere dann, wenn deren Problemlösungspotenzial und Vorteil auf der Hand liegen und die Umsetzung uns und unseren Kunden praktischen Nutzen stiftet.“

Lkw-Warnsystem und alternative Antriebe

Der 41-Jährige arbeitet bei der Mercedes-Benz Bank als IT-Testmanager. „Aber ich mache mir nicht nur Gedanken über den eigenen IT-Fachbereich, sondern auch über digitale Geschäftsmodelle oder Business Development“, erklärt er. Bis dato kam so eine bunte Mischung an Ideen zu allerlei Themen bei Daimler Financial Services, der Mercedes-Benz Bank, aber auch anderen Geschäftsfeldern der Daimler AG zusammen. Er hat unter anderem eine Idee für alternative Antriebe entwickelt, der den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß reduzieren könnte oder ein Warnsystem für Lkws zur Vermeidung von Kollisionen beim Befahren eines Tunnel- oder Brückenportals oder Konzepte zu Kundenauthentifizierungs-Methoden. „Der individuelle Gehstil eines Menschen hat 24 Merkmale und ist somit sicherer als der Fingerabdruck“, weiß er. Gekommen war er darauf, nachdem er eine Studie zu diesem Thema gelesen hatte.

Woher er seine Motivation nimmt? „Ich habe großes Interesse an Technik und an praxisnahen Lösungen für Alltagsprobleme“, sagt er. „Wir leben in spannenden Zeiten des Umbruchs, und übergreifend bestehen viele Herausforderungen, die nicht nur unser Unternehmen, sondern uns alle betreffen.“ Wer mit offenen Augen durch die Welt gehe und „über den Tellerrand hinausschaue“, könne dies sicher nachvollziehen, ist der engagierte Stuttgarter überzeugt. „Meine Ideen resultieren häufig unerwartet aus Alltagssituationen oder Diskussionen heraus.“

Weitere spannende Mitarbeiter-Ideen, die umgesetzt wurden oder kurz vor der Umsetzung stehen, gibt es in unserer Bildergalerie.

Bei der Ideenfindung orientiere er sich bewusst nicht an einschlägiger Literatur zu Innovations-Management, und er betreibe auch kein systematisches Brainstorming. „Ideen entwickeln sich meiner Erfahrung nach automatisch über eine gewisse Zeit und müssen reifen“, ist er überzeugt und erklärt: „Der kreative Prozess beginnt eigentlich immer unbewusst und spontan im Kopf, sobald ein vermeintliches Problem oder sagen wir besser, etwas Optimierbares, vor meinem geistigen Auge auftaucht, das geradezu nach einer passenden Lösung schreit. Das geht mir dann meist längere Zeit nicht mehr aus dem Kopf.“

Sich ein Problem vorknöpfen und an einem Lösungsansatz tüfteln, das macht er nicht nur, weil es ihm Spaß bereitet. „Ich möchte vor allem auch das Unternehmen nach vorne bringen“, betont er. „Bei uns gibt es viele Dinge, die gut laufen, aber man kann natürlich überall etwas verbessern“, betont er und bemüht ein Zitat von Dieter Zetsche: „Machen Sie Ihrem Kerngeschäft selbst Konkurrenz, bevor es andere tun!“ Deshalb wird er nicht müde, an seine Kollegen zu appellieren, damit sie selbst aktiv werden und neue Ideen beisteuern. „Kreativität steckt in jedem von uns, wir müssen sie nur entfachen“, sagt er und ist überzeugt: „Es braucht einen freien Kopf, um kreativ zu sein, aber es lohnt sich, wenn man sich kurz die Zeit nimmt!“
 

Viele Ideen entstehen unter der Dusche

Apropos Zeit: Bei 36 Ideen mag sich dann doch einer fragen: Schafft der Mann überhaupt noch etwas? „Da kann ich aber alle beruhigen. Langweilig wird es mir nicht!“, antwortet er mit einem Schmunzeln. Außerdem entwickelt er seine Ideen vornehmlich in der Freizeit. Die Geistesblitze ereilen ihn meistens im Urlaub, im Stau oder – der Klassiker – unter der Dusche. Es kommt schon mal vor, dass er nach Feierabend vom Pragsattel in die Daimler-Zentrale nach Untertürkheim fährt, um seine Ideen den dortigen Kollegen vorzustellen. Natürlich gibt es auch Rückschläge. Dann nämlich, wenn eine Idee im Sand verläuft oder die nötige Unterstützung fehlt. „Aber ganz ehrlich: das motiviert mich umso mehr“, sagt er und meint lachend: „Da kann ich auch richtig, sagen wir mal, beharrlich sein – ich bin vom Sternzeichen Stier!“

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