20
Oktober
2016
|
12:22
Europe/Amsterdam

Hast Du Urlaub, Papa? / Are you on vacation, Dad?

+++ Please find the English Version below +++

Matthias Micke ist Abteilungsleiter. Gelegentlich arbeitet er von zuhause aus. Das spart Zeit und Nerven und erleichtert der ganzen Familie den Start in den Tag. Dennoch bleibt es für ihn nur die zweitschönste Art zu arbeiten. Ein ganz persönlicher Einblick.

 

Von Matthias Micke – Mobiles Arbeiten, das wäre für mich vor fünf Jahren noch die Arbeit im Außendienst gewesen. Doch die Welt hat sich verändert. Es ist Dienstagmorgen und ich sitze an unserem Wohnzimmertisch, sehe in den Garten und arbeite an meinem Notebook. Mein wichtigstes Arbeitsmittel, das I-Phone, liegt neben mir.

Hat der Papa heute frei?

Irgendwie habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen, wenn ich zuhause bin und meine Kinder mich morgens fragen, ob ich Urlaub habe. „Nein“, sage ich, „ich arbeite heute mobil“. Meine Kinder schauen mich fragend an.

Nicht nur für meine Söhne Paul, Theo und Willy ist es eine große Umstellung. Auch für mich! Früher war alles einfacher. Wenn der Papa einen Anzug trägt, geht er zur Arbeit. Und wenn er zuhause ist, hat er Freizeit.

Stau ade!

Früher war aber auch alles komplizierter. Viel komplizierter! Als moderne Großfamilie mit zwei arbeitenden Elternteilen muss morgens jeder auf den Punkt funktionieren. Da ist ein krankes Kind oder ein Fleck auf dem Hemd der Anlass zum Verzweifeln, insbesondere wenn die Tiefgaragenparkplätze im Sekundentakt weniger werden. Was für ein Stress!

Mit dem mobilen Arbeiten spart man sich unglaublich viel Zeit am Morgen – und Nerven. Keine Gedanken über gebügelte Hemden, keine Anfahrt im Stau und vor allem: keine Parkplatzsuche.

Alles geht entspannt vor sich bis meine Frau und die beiden großen Jungs aus dem Haus sind. Willy bringe ich noch schnell zu Fuß in den Kindergarten.

Die Familie ist aus dem Haus, der Arbeitstag beginnt

Um 8 Uhr beginnt mein Arbeitstag. Die erste Telefonkonferenz: „Update aus der Vorstandssitzung“. Ich höre zu und notiere die relevanten Inhalte. Eine Rücksprache mit einer Kollegin ist für 9 Uhr angesetzt. Ich bereite mich noch kurz mit ein paar Stichworten vor. Die Rücksprache findet telefonisch oder über den Instant Messenger Lync statt. Ich suche noch nach den besten Lösungen. Mir persönlich reicht das Telefon meist aus. Und es hat den Vorteil, dass ich mich bewegen kann.

Meine Kollegin ist ebenfalls im Homeoffice. Sie wohnt nur drei Kilometer entfernt von mir. Irgendwie Wahnsinn: Jeder von uns bewegt sich täglich 15 Kilometer im Stau nach Stuttgart und zurück, dabei sind wir nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Selbst ist der Mann

Nach der Eingabe der neuen Gehaltsdaten meiner Mitarbeiter in ein Personalsystem mache ich Mittag. Anstelle eines Treffens mit Kollegen muss ich heute selbst aktiv werden: Zuhause muss man sich selbst darum kümmern, dass etwas zu essen auf den Tisch kommt. Das ist nicht immer ganz einfach. Die Pause ist flugs vorbei.

Ich muss mich beeilen. Um 13 Uhr ist der nächste Telefontermin. Ich gehe dazu lieber an meinen Schreibtisch im Dachgeschoss. Dort habe ich Ruhe, auch wenn später die Kinder wieder durchs Haus toben. Für den Mittag habe ich mir neben den Standardaufgaben Themen wie Rechnungen freizeichnen, Abwesenheiten genehmigen und Emails abarbeiten vorgenommen. Außerdem muss ich noch zwei Präsentationen querlesen. Das geht zuhause viel besser, als im Büro.

Aus den Augen, aus dem Sinn? Mitnichten!

Zwischenzeitlich klingelt mehrfach das Telefon. Meine Kollegen haben schnell bemerkt, dass man mit mir im Homeoffice auf kurzem Weg die wichtigsten Inhalte besprechen kann. Da kommt es gerne mal vor, dass ich das Telefon auflege und zwischenzeitlich drei Mailbox-Nachrichten habe.

Mein größter Feind sind die Espresso-Maschine und der Kühlschrank. Im Büro ist das kein Thema, zuhause schon. Alles, was schmeckt, ist in meiner Nähe. Heute bleibe ich stark und verzichte…

Ein Blick auf die Uhr sagt mir: Es ist 18.30 Uhr. Ich habe gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergeht. Ich beende den Arbeitstag und bringe Theo zum Fußball.

Eine gute Alternative – aber bitte nur manchmal

In meinem Büro kommt ständig jemand zu mir an den Schreibtisch. Beim Vorbeigehen ein kurzes „Hallo!“ oder auch nur ein Lächeln von Kollegen. Zuhause gibt es das nicht. Auch wenn ich heute sehr effizient gearbeitet habe, fehlen mir die Kontakte zu meinen Kollegen. Ich liebe es, Menschen um mich zu haben und ein Gefühl zu entwickeln, wie es ihnen geht. Ein Blick in die Augen ist für mich eben nicht zu ersetzen.

Bei allen Vorteilen des mobilen Arbeitens und der modernen Technik wird es für mich eine tolle Alternative aber nur die zweitschönste Form des Arbeitens bleiben.

Gut, dass es morgen für zwei Tage nach Berlin geht und ich viele Menschen treffe…

 

Arbeiten außerhalb des Büros - funktioniert das? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie? Diskutieren Sie mit, wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

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Are you on vacation, Dad?

Matthias Micke is a department head. Sometimes he works from home. That saves time and nerves, and it helps the whole family to start the day with less stress. But Micke still feels that working at home is only second-best. In this article, he gives us his personal perspective on mobile working.

By Matthias Micke - Five years ago, I would have defined mobile working as being a member of the field staff. But the world has changed. It’s Tuesday morning, and I’m sitting at the coffee table in our living room, looking out at the garden, and working on my notebook. My most important working tool, my iPhone, is lying next to me.

Is today Dad’s day off?

I still feel somewhat guilty whenever I’m at home and my kids ask me in the morning if I’ve got the day off. I tell them, “No, today I’m working at home.” My kids look at me sceptically.

This is a big adjustment for my sons Paul, Theo, and Willy, but it’s also a big adjustment for me! Everything used to be easier to understand. If Dad was wearing a suit, he was going to work. And when he was at home, he wasn’t working.

No more traffic jams!

However, everything used to be more complicated too. Much more complicated! We’re a big modern family with two working parents, so in the morning everyone has to stick to the schedule. In this kind of situation, a sick child or a spot on my shirt can make me feel desperate, especially because I know that the parking spaces in the underground garage are being snapped up, second by second. That’s what I call stress!

Mobile working saves people an incredible amount of time in the morning — and it saves their nerves. You don’t have to think about having an ironed shirt or get stuck in traffic — and best of all, you don’t have to look for a parking space.

We have a relaxed morning routine, and then my wife and the two older boys leave the house. I walk Willy to kindergarten — that doesn’t take a long time.

The family has left, the working day begins

My working day starts at 8 o’clock. The first phone conference is an update related to the Board of Management meeting. I listen and make notes about the points that are relevant to me. A follow-up talk with my colleague is scheduled for 9 o’clock. I briefly prepare for it, jotting down a few key words. We have this follow-up talk on the phone or via the Lync instant messenger. I’m still looking for the best solutions. For me personally, the telephone is usually good enough. And it has the advantage that I can move around while I’m talking.

My colleague is also working from home. She lives only three kilometers away. It’s really crazy, when you think about it: Both of us are expected to drive every day to Stuttgart and back through 15 kilometers of congestion even though we live only a stone’s throw apart.

Do it yourself

After entering the new salary data of my coworkers into a human resources system, I take a lunch break. Instead of meeting with my coworkers, today I have to prepare lunch myself. If you work at home, you have to plan ahead to make sure you’ll have something to eat. That’s not always easy. The lunch break is over much too soon.

I have to hurry, because my next telephone talk is scheduled for 1 o’clock. For this one, I prefer going up to my desk on the top floor. There it’s quieter, even after the children come home and start running all over the place. In the afternoon, I plan to do routine tasks and approve invoices, authorize absences, and reply to e-mails. I also have to skim over two presentations. I can do that at home much more efficiently than at the office.

Out of sight, out of mind? Wrong!

The telephone rings a couple of times in the midst of all this. My coworkers have quickly realized that it’s easy to reach me at my home office if they have something important to discuss with me. Often, after I hang up the phone I find out I’ve received three messages via voicemail while I’ve been talking.

My main enemies are the espresso machine and the fridge. At the office these things aren’t a problem, but at home they are. All the things I love to eat are nearby. But today I’m being strong and resisting them.

A glance at the clock tells me that it’s 6:30 p.m. I haven’t even noticed the time passing. I finish my workday and take Theo to soccer practice.

A good alternative — but only sometimes, please

When I’m at the office, people are constantly coming to my desk. As my coworkers pass by, they might say a quick “hi” or maybe just smile. That doesn’t happen when I’m working at home. Even though I’ve worked very efficiently today, I miss the contact with my coworkers. I love being surrounded by people and getting a sense of how they’re doing. I think there’s no substitute for looking someone in the eyes.

In spite of all the advantages of mobile working and modern technology, I think it’s a great alternative but only the second-best type of work.

I’m glad that tomorrow I’ll be off for a two-day stay in Berlin, where I’m going to meet lots of people.

Working from home or anywhere else, does that work for you? Let us know what you think an write a comment.

 

Kommentare 1 - 4 (4)
Danke für Ihre Nachricht.
Imran
04
November
2017
Job
Ursula Holland-Pühlhorn
24
October
2016
Ich finde es grundsätzlich gut, dass es die Option Homeoffice gibt. Ich persönlich nehme in der Regel dies nur in Anspruch, wenn ich einen privaten Termin zwischendrin habe oder der Handwerker kommt. Ich sammle, sofern möglich, immer Tätigkeiten, die ich gut von zu Hause machen kann und wo ich meine Ruhe brauche. Ich muss mich dann auch immer zwingen eine Mittagspause einzuhalten, denn oft vergesse ich das total. Abgesehen vom Stau bin ich dann doch lieber im Büro, da der Informationsaustausch auch sehr wichtig ist und das Equipment besser ;-)
Andreas Laux
21
October
2016
Ein toller Blog, vielen Dank Matthias. Ich musste echt schmunzeln beim lesen des Artikels aber DU hast vollkommen recht! Was für ein Wahnsinn, sich morgens in den Stuttgarter Stau zu begeben. Um 8 Uhr ist die Hölle los. Warum nicht morgens von 8-10 Uhr emails oder Präsentationen lesen und erst dann ins Büro? Klar sind auch mir die echten Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen wichtig aber das HomeOffice bzw. das "flexible Office" ist unschlagbar, was Effizienz und "abarbeiten" angeht. Und auch klar, dass ich nicht jeden Tag von Montag bis Freitag morgens HomeOffice mache. Vielleicht genügt ja morgens ein Blick auf die diversen Staumelder und man kann entscheiden, ob heute ein guter oder nicht so guter Tag ist :-) Lasst uns auf jeden Fall das Thema HomeOffice weiter vorantreiben. Mich stört selbst auch nur, dass viele Kolleginnen und Kollegen meinen, im HomeOffice wird weniger gearbeitet bzw. die Ablenkung (Kühlschrank) ist zu groß. Die "Gefahr" der Ablenkung besteht auch im Büro :-) - übrigens sitze ich heute auch im HomeOffice und arbeite :-) Gruss
Nicole Bukor
21
October
2016
Eine tolle und lebensnahe Geschichte! Schön zu sehen, dass Home Office nicht nur eine theoretische Möglichkeit ist sondern durchaus auch (vor-)gelebt werden kann ...