08
Dezember
2017
|
11:11
Europe/Amsterdam

Mitarbeiterinitiative

Flüchtlingshilfe: Statt Worte Taten sprechen lassen

Bäume pflanzen, Müll entsorgen, Bänke streichen – Florian-Tobias Rohkamm aus der Abteilung Global Business Solutions bei Daimler Insurance Services hat mit seinen Kollegen bei der Aktion „Ideen bewegen“ nicht nur eine Flüchtlingsunterkunft verschönert, sondern auch etwas von den Bewohnern gelernt. Seine Eindrücke schildert er hier.

 

Von Florian-Tobias Rohkamm - „Kannst du mir bitte mal die Blumenerde geben?“ frage ich Marchd. Marchd versteht nicht jedes Wort, das ich sage, denn er ist erst seit kurzer Zeit in Deutschland. Den Sack mit Erde reicht er mir trotzdem. Dabei sagt er etwas und lächelt. Was es war, weiß ich nicht, aber ich lächle zurück. Wir verstehen uns auch so. Teamwork funktioniert manchmal auch ohne Worte.

Ideen, die etwas bewegen

Doch wie kam es zu unserer Begegnung? Sommer 2015. Hitzewelle, drittwärmster Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Laut UNHCR sind rund 65,3 Mio. Menschen auf der Flucht, in Europa gibt es mehr als doppelt so viele Asylanträge als im Vorjahr. In den Medien Flüchtlingsströme.

Auch in meinem Wohnort Filderstadt kamen in diesem Sommer 150 Männer aus Syrien und Afghanistan an. Aus Neugier entschied ich mich spontan, die in Filderstadt eingerichtete Unterkunft für Geflüchtete einmal zu besuchen. Einfach mal reingehen und schauen, was passiert. Von mir getragene, aber noch gute Klamotten fänden dort sicher Abnehmer? So war es auch. Erschreckt haben mich jedoch die Zustände vor Ort. Altes Gebäude, schlechte sanitäre Anlagen, zu viele Menschen pro Zimmer. Der Außenbereich war verschmutzt und ungemütlich. Es gab keine Kontakte zu uns Einheimischen. Sollte das alles sein, was diese Menschen nach Ihrer Flucht bei uns vorfinden? Abends lief ich von meinem Parkplatz ins Haus und beobachtete dabei eine Situation, die mich traurig machte: Zwei junge Syrer liefen die Hauptstraße entlang, woraufhin einige Passanten unverzüglich die Straßenseite wechselten. Filderstadt, Deutschland, im Jahr 2015! Mein Bedürfnis, ein Zeichen zu setzen, war geweckt.

Ich suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen der Flüchtlingsunterkunft und erfuhr von dem großen Wunsch, den Außenbereich zu verlegen und attraktiver zu gestalten. Eine Aktion, bei der man richtig „anpacken“ muss – helfende Hände waren also gefragt. Im Büro erzählte ich von meiner Idee. Alle waren begeistert, und mein Bereichsleiter wies mich auf „Ideen bewegen“ hin: Ein Programm von Daimler Financial Services für Corporate Social Responsibility, das Mitarbeitern die Möglichkeit bietet, finanzielle Unterstützung für die Umsetzung selbst initiierter sozialer Projekte vom Unternehmen zu erhalten – unter der Voraussetzung, dass man Planung und Umsetzung selbst in die Hand nimmt und im Team agiert. Also reichte ich meine Idee ein und machte mich nach Bewilligung der Fördermittel an die weitere Planung. Da wir jede Hilfe brauchen konnten, startete ich einen Aufruf in meiner Abteilung. Mit Erfolg: Zehn Kollegen hatten Lust, gemeinsam anzupacken. Ein Datum war schnell gefunden und das nötige Material besorgt.

Teamwork überwindet Sprachbarrieren

Im November 2015 war es soweit: Wir starteten mit einer Hausbesichtigung, die uns allen bewusst machte, wie gut es uns eigentlich geht. Das weckte unseren Tatendrang erst recht. Wir räumten den Hof auf, entsorgten Müll, reparierten Sitzgelegenheiten, pflanzten Bäume und vieles mehr. Die Bewohner beobachteten uns dabei zunächst aus einiger Entfernung. Viele waren von unserem Einsatz überrascht, manche vielleicht sogar etwas misstrauisch. Doch mit der Zeit kam einer nach dem anderen heraus und packte mit an. Ein Gärtner aus Afghanistan pflanzte die Bäume mit uns, andere strichen die Tische, ein Schreiner aus Syrien half beim Zuschneiden der Bänke, manche schauten auch nur zu. Am Ende arbeiteten wir Hand in Hand – ganz ohne Verständigungsschwierigkeiten!

Am schönsten aber war, dass wir die Bewohner am Ende noch richtig überrascht haben. Denn als ich die Unterkunft zum ersten Mal besichtigte, fiel mir auf, dass die Männer auf handgemalten Zetteln Mühle spielten. Also besorgte ich im Vorfeld große Spielsteine und Parkplatzfarbe, mit der wir ein großes Mühlefeld auf den Asphalt malten. Die Freude war riesig! Obwohl ich noch nie Mühle gespielt hatte, verständigten wir uns mit Händen und Füßen über die Spielregeln und spielten eine gemeinsame Partie.

Miteinander statt Füreinander

Aus einem Projekt, das ursprünglich für Flüchtlinge geplant war, wurde letztlich ein Miteinander. Und das ein oder andere dankbare Lächeln, ein Schulterklopfen oder die „Zeichensprache“ ließen den Tag zum Erfolg für Alle werden. Erstaunlich, mit welch geringem Aufwand wir ein wenig von unserem Wohlstand zurückgeben können!

Da diese Premiere so gut lief, haben wir seither in den beiden Folgejahren gleich zwei weitere Projekte initiiert und eine Flüchtlingsunterkunft in Wendlingen sowie eine KiTa des SOS Kinderdorfs tatkräftig unterstützt. Sicher ist, dass ich auch 2018 etwas bewegen möchte - mal schauen, was es beim nächsten Mal wird.

Ideen bewegen

„Ideen bewegen“ ist ein Angebot der Mercedes-Benz Bank, bei dem Mitarbeiter soziale Projekte in Eigenverantwortung planen und umsetzen können. Voraussetzung ist, dass sich mindestens drei Kollegen je Aktion engagieren. Jede Aktion wird mit bis zu 1.000 Euro durch das Unternehmen gefördert. Das Team für Corporate Social Responsibility berät die Kollegen bei der Vorbereitung ihres "Ideen bewegen"-Projekts. In den letzten zwei Jahren wurden insgesamt 32 Projekte von Mitarbeitern der Mercedes-Benz Bank und Daimler Financial Services umgesetzt.

Kommentare 1 - 1 (1)
Danke für Ihre Nachricht.
Azmi
08
December
2017
Great work. That is how it should go. Not just talking, go there and do something yourself with your hands.
Super Story !