20
April
2018
|
09:30
Europe/Amsterdam

Inklusion

„Die Welt der Großen“

 

Er schrieb unzählige Bewerbungen und wurde erst eingeladen, als er ein kleines Detail wegließ: seine Behinderung. Bünyamin Özcelik gilt mit seiner Körpergröße von 1,20m als kleinwüchsig. Das stellt ihn vor so manche Hürde, hindert ihn jedoch nicht daran, seinen eigenen Weg zu gehen. Heute arbeitet er als Junior Projektmanager im Bereich European Operations bei Daimler Financial Services und berichtet vom Umgang mit seiner Behinderung im Berufsalltag.

Von Bünyamin Özcelik – Vor einem Bewerbungsgespräch ist wohl jeder nervös. Bin ich qualifiziert genug für die Stelle? Kann ich mein Gegenüber von mir überzeugen? Bei mir war das alles ein bisschen anders. Komisch, denn schließlich wollte ich einen Blogbeitrag darüber schreiben, warum bei mir eben nicht alles anders ist, nur weil ich körperlich behindert bin. Aber der Reihe nach.

Ich bin genau 1,20m groß und gelte damit als kleinwüchsig. Der Grund meiner Behinderung ist bis heute nicht geklärt. Es gibt über 600 Ursachen, die zu einer krankhaften Verminderung des Längenwachstums führen. Allein in Deutschland sind über 100.000 Menschen von Kleinwuchs betroffen. Ich bin mit meiner eigenen Kleinwuchsart sozusagen ein Unikat – und komme sehr gut damit zurecht. Dennoch hat sich bereits während meiner Schulzeit gezeigt, dass es nicht allen so geht. Eine staatliche Regelschule war für mich nicht vorgesehen, stattdessen sollte ich eine Schule für Menschen mit körperlicher Behinderung besuchen. Dagegen haben sich meine Eltern jedoch strikt gewehrt, sodass ich erst nach einem IQ-Test auf eine Standard-Schule gehen konnte. Ab diesem Tag war mir klar, dass mein Weg von Vorurteilen begleitet sein würde und ich mich „in der Welt der Großen“ immer wieder beweisen muss.

Mit Umwegen ans Ziel

Auch in der Arbeitswelt hatte ich zunächst oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Ursprünglich wollte ich nach der Realschule eine Berufsausbildung zum Bank- oder Industriekaufmann machen. Das hat jedoch trotz vieler Bewerbungen nicht geklappt, weshalb ich schließlich ein Detail wegließ – meine Körpergröße. Prompt bekam ich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Allerdings war die Überraschung vor Ort meist groß und die Gespräche oft kurz und oberflächlich. Aufgeben war für mich trotzdem keine Option. Schließlich wollte ich eine gute Lebensqualität und hatte den Anspruch, weitgehend normal zu leben. Deshalb ließ ich mich nicht entmutigen und fing an, BWL zu studieren – wieder mit der Hoffnung auf bessere Chancen in der Arbeitswelt. Rückblickend hat sich dieser „Umweg“ gelohnt: Als Praktikant und Werkstudent konnte ich während meines Studiums knapp fünf Jahre lang unterschiedliche Fachbereiche und Gesellschaften des Daimler-Konzerns kennenlernen.

Barrierefrei im Büro

Als ich mich dann nach meinem Studienabschluss bei der Mercedes-Benz Bank bewarb, war meine Körpergröße absolut kein Thema. Ich wurde sehr herzlich empfangen und habe meine Behinderung dann im Laufe des Vorstellungsgesprächs selbst thematisiert, um möglichen Fragen und Unsicherheiten zuvorzukommen. Mir war sehr wichtig, meine Kollegen von Anfang an mit meiner Behinderung vertraut zu machen. Eine kurze „Aufwärmphase“ war normal – doch der Umgang war von Beginn an respektvoll und auf Augenhöhe und schon bald selbstverständlich.

Es ist sehr wichtig, dass der Arbeitgeber eine Umgebung bietet, in der man solche Themen ansprechen und auch offen um Hilfe bitten kann. Allerdings habe ich das gar nicht so häufig nötig: Mein Arbeitsplatz wurde mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch und Bürostuhl auf meine Größe angepasst und der Drucker ist so platziert, dass ich ihn ohne fremde Hilfe erreichen kann. Für andere Dinge habe ich ein Trittbrett. Und die Türklinken sind im ganzen Gebäude so niedrig angebracht, dass sie perfekt für Rollstuhlfahrer oder Personen wie mich erreichbar sind – ich bin also rundum gut versorgt. Etwas schwieriger ist es in der Kantine: Wenn ich mich an der Salattheke oder am Getränkespender bedienen will, brauche ich Unterstützung – aber auch das war noch nie ein Problem. Trotzdem freue ich mich, wenn Themen wie Autonomes Fahren an Aktualität gewinnen. Auch wenn es den wenigsten bewusst ist, ist das auch ein wichtiger Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

Inklusion beginnt im Kopf

Abgesehen davon, dass ich den Vorteil genieße, fast immer einen freien Parkplatz in der Tiefgarage zu ergattern, unterscheidet sich mein Arbeitsalltag eigentlich nicht von dem meiner Kollegen. Damit ist mein Berufsleben weitestgehend barrierefrei, was das Körperliche anbelangt. Um zwischenmenschliche Barrieren zu überwinden, ist es ganz wichtig, aufeinander zuzugehen und offen miteinander zu sprechen. Die Welt des Anderen kennenzulernen setzt eine weltoffene Einstellung ohne Berührungsängste voraus. Man muss nicht selbst betroffen oder aus persönlichen Gründen mit dem Thema Behinderung vertraut sein; ein bisschen Vernunft und Empathie genügen, um die Welt für alle schöner zu gestalten. Wichtig ist, die Barrieren im Kopf abzubauen und sich zu trauen, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Ich freue mich, wenn Leute auf mich zukommen und einfach mal fragen. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass alles ganz normal ist.

 

Diversity in der Mercedes-Benz Bank

Die Mercedes-Benz Bank und Daimler Financial Services engagieren sich für Vielfalt und Inklusion in ihrer Belegschaft. Offenheit, Toleranz und gegenseitiger Respekt bilden die Basis ihrer Unternehmenswerte. Bei personalpolitischen Themen und Entwicklungsprozessen werden unterschiedliche Dimensionen von Vielfalt besonders berücksichtigt.

Aktuelle Stellenangebote gibt es hier.

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