17
November
2017
|
08:00
Europe/Amsterdam

Talente

Comedy im Bankgeschäft

Banker sind langweilig? Von wegen! Ralf Currle passt so gar nicht in diese Schublade. Der Manager ist nicht nur fürs Remarketing in Europa zuständig, sondern kümmert sich auch ums Betriebsklima: Als Hausmeister Currle ist er regelmäßig „bruddelnd“ für die interne Unternehmenskommunikation im Einsatz und nimmt die „Zustände“ in der Bank auf die Schippe. Worauf es bei der Comedy ankommt und warum er sein Hobby mit zur Arbeit bringt, berichtet er hier.

 

Von Ralf Currle - „Das ist sehr, sehr lustig. Ich möchte unbedingt, dass Sie bei unserer nächsten Karnevalssitzung auftreten“. An diese Worte des Vaters meiner Klassenkameradin erinnere mich noch heute. Es war der Tag des großen Schulfests. Eben noch hatte ich vor 500 Mitschülerinnen und Mitschülern auf der großen Bühne Boris Becker parodiert. Die Aula tobte. Ich war für einen Moment mindestens genauso beliebt wie der damals amtierende Wimbledon-Champion. Aber erfolgreicher: Am selben Tag verlor Boris als Titelverteidiger in Wimbledon völlig überraschend in Runde 2 und ich wiederum hatte plötzlich die Perspektive, bei der Karnevalsveranstaltung in der Region aufzutreten. Mein erstes Engagement! Ich schwebte auf Wolke 7. Meine Laufbahn als Hobby-Comedian hatte begonnen.

Ob als Schüler oder als Student, in den folgenden Jahren war ich an den Wochenenden als Stand-up-Comedian im Einsatz. Mit zahlreichen Stimmenparodien reiste ich von einer Hochzeit zur nächsten Firmenfeier und weiter zur übernächsten Gala.

Es folgten abendfüllende Solo-Programme, Auftritte im Radio und sogar im Fernsehen. Die Comedy war zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Bei einer Dienstreise kam mir die Idee, den Büroalltag mal mit einem Augenzwinkern zu betrachten. So entstand eine schwäbische Version des Hausmeisters Krause: der bruddelnde Hausmeister Currle. Klingt simpel – doch Charaktere parodieren und daraus ein Programm erstellen ist gar nicht so einfach.

Ein gutes Ohr und Fingerspitzengefühl

Bei der Parodie kommt es auf Sympathie an. Es ist einfacher, mit Charakteren zu arbeiten, die mir Freude bereiten. Denn das Ganze beginnt mit Neugier. Ich frage mich: „Was hat er da eben gesagt?“ oder „Wie interessant klingt die Stimme?“ Dann eigne ich mir Tonlage und den Klang an. Dass ich mir Stimmen gut einprägen kann, ist hilfreich - oft habe ich sie noch Jahre später im Ohr. Der Rest ist Übung: zuhören, nachsprechen, mit dem Smartphone aufnehmen, abhören, mit dem Original vergleichen und das Ganze wieder von vorn. Das ist mühsam, für die Mitfahrer im Auto mitunter anstrengend und für die Frau daheim zuweilen amüsant. Spätestens dann, wenn sie bei den ersten Proben als Testperson herhalten muss. Übrigens ist es schwerer, einzelne Personen zum Lachen zu bringen, als eine ganze Meute.

 

 

Doch Stimme, Gestik und Mimik sind nur ein Teil des Programms. Die Inhalte ergeben sich aus den aktuellen Begebenheiten. Bei Politikern ist es die vergangene Wahl, bei Sportlern das Ergebnis des letzten Wettkampfs. Den eigentlichen Rahmen bilden die Anlässe - und die Vorbereitung. So ist man als Comedian bei einer Firmenfeier umso erfolgreicher, je mehr sich das Unternehmen, das Management und die lustigen Begebenheiten des Alltags im Programm wiederfinden. Um das herauszufinden, stelle ich im Vorfeld viele Fragen: „Was waren die Höhepunkte im letzten Jahr?“ oder „Wer sitzt im Publikum in der ersten Reihe?“. Der Rest ist spontan. Das ist der Sprung ins kalte Wasser. Aber ich genieße ihn. Denn die ungewisse Reaktion des Publikums, gepaart mit der einen oder anderen Überraschung machen den eigentlichen Reiz aus. Wenn es mir gelingt, das Publikum aktiv einzubeziehen und es auch an Stellen lacht, wo ich es nicht erwartet habe, dann bin ich glücklich.

"Net so viel schwätza, schaffet au mol wieder was!“

Das gilt natürlich auch für meine aktuelle Lieblingsrolle, den Hausmeister Currle. Kaum trage ich die blaue Kluft, kann ich den Schalter umlegen. Und es sprudelt nur so aus mir heraus.

Seit anderthalb Jahren nimmt mein zweites Ich alles unter die Lupe, was den Arbeitsalltag bei Daimler Financial Services und der Mercedes-Benz Bank ausmacht. Wenn doch nur alle etwas mehr schwäbisch „schwätza dädded“ und weniger englisch. Dann wäre für Hausmeister Currle die Welt in Ordnung. Bei seinen besonderen Aufgaben kommt er ganz nah an die großen Geheimnisse der Bank heran. Egal, ob bei Verkehrskontrollen in der Tiefgarage, beim Reparieren der Toiletten oder beim Kontrollieren der Eingangstür zur Kantine. Der Hausmeister sieht und hört alles, und die besten Gedanken kommen ihm immer mitten bei der Arbeit.

Das gilt natürlich auch für mich in meiner aktuellen Tätigkeit im europäischen Remarketing. Da geht es um die Vermarktung der Fahrzeuge, die unsere Kunden nach Ablauf der Leasingdauer zurückgeben.

Und was ist die Moral der Geschichte? Man sollte sich selbst nicht immer zu ernst nehmen! Gerade weil es in vielen Projekten um eine Menge geht, hilft es oft, einen Schritt zur Seite zu treten und ein wenig zu schmunzeln - über den Wortwitz und über sich selbst.

 

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