03
August
2017
|
15:53
Europe/Amsterdam

30 Jahre Mercedes-Benz Bank

Change Management – die Balance zwischen Wandel und Tradition

Von Robert FieslerIch sitze in einer Besprechung, dem Auftakt für ein neues Projekt. Die ausländischen Kollegen sind per Video zugeschaltet während unser Vorstand spricht. Per Skype können alle die gleichen Folien sehen, und ich lese: „We need to change because the world is changing even faster“. Willkommen in der sogenannten V.U.C.A.-Welt!

Veränderungen sind kein Phänomen der digitalisierten Welt …

V.U.C.A - wer hat diesen merkwürdigen Begriff nicht schon einmal gehört? Er setzt sich aus den vier Wörtern Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity zusammen, die auch veränderte Rahmenbedingungen von Unternehmen beschreiben: Unberechenbarkeit, Ungewissheit, Komplexität und Ambivalenz. Das klingt zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht besonders optimistisch, geschweige denn erfreulich. Doch dass die Digitalisierung und damit auch die Entwicklung hin zur Industrie 4.0 weitreichende Veränderungen mit sich bringt, ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass es schon immer deutliche Umbrüche gab und dies kein neues Phänomen ist. Seit mehr als 30 Jahren bin ich nun schon im Unternehmen und habe viele einschneidende Veränderungen erlebt: Merger & De-Merger mit Chrysler, die Eroberung neuer Kundensegmente durch die Einführung der A-Klasse und des smart oder eine Zentralisierung unter Einbeziehung von Service Centern. Entwicklungen, die die Unternehmensprozesse nachhaltig verändert und beschleunigt haben und überlebenswichtig für uns als Unternehmen sind. Denn im Wettbewerb ist es wichtig, frühzeitig auf Trends zu reagieren und vor allem Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten.

Als Verantwortlicher für das Change Management betrifft mich das natürlich besonders. Oft versuche ich mir auszumalen, wie die Welt von morgen wohl aussehen wird. Denn täglich stehen wir vor neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Etwa das Thema Artificial Intelligence und die zunehmende Automatisierung von manuellen Prozessen. Entsprechend muss sich auch unsere Belegschaft weiterentwickeln.

… aber es wird schwieriger, sich davon nicht hetzen zu lassen

Trotzdem oder gerade deswegen ist es umso wichtiger, auch auf eine gewisse Stabilität in den Veränderungsprozessen zu achten und sich die Zeit dafür zu nehmen. Zeit, neue Trends zu hinterfragen und Entwicklungen zu reflektieren. Zeit, die man im Berufsalltag oft nicht mehr findet da der Druck überwiegt, sich schnell entscheiden zu müssen. Ich muss zugeben, dass ich mich immer öfter frage, seit wann sich die Welt schneller verändert als ich es je für möglich gehalten hätte?

Denn eigentlich kann ich mich gut auf Veränderungen einstellen, bin offen und neugierig, was die Welt zu bieten hat. Auch durch meine Kinder entwickle ich mich permanent weiter und integriere z.B. neue Technik in meinem Alltag. Denn egal ob günstige Preisangebote oder sofortige Lieferung einer Bestellung, das Internet und die mobilen Endgeräte machen Vieles einfacher. So verlockend die Vielfalt an Möglichkeiten und Informationen auch ist, verunsichert sie mich manchmal auch. Also nehme ich mir Zeit, mich an Veränderungen zu gewöhnen und sie in meinem Alltag zu integrieren – versuche mich weniger zu hetzen und schalte einen Gang zurück. Dadurch schaffe ich mir Raum und habe Zeit, verschiedene Perspektiven einzunehmen und mich mit den Trends auseinanderzusetzen.

Die Balance zwischen Wandel und Tradition

Beruflich stelle ich mir daher immer wieder die Frage, ob ich bei der rasenden Geschwindigkeit, mit der sich die Welt verändert, eine Wahl habe, anders auf Veränderungen zu reagieren?

Meine Erfahrung zeigt: Ja, ich habe die Wahl und es liegt an mir selbst, wie sehr ich innerhalb dieser VUCA-Welt auch als Antreiber agiere. Doch diese Entscheidung erfordert eine Balance zwischen meinem Beruf als Change Manager und meinem Wesen als Traditionalist, das sich aussuchen möchte, welchen Trend es mitmacht, welche Neuerungen es in sein Leben lässt und welche eben nicht. Denn blicke ich auf mein dreißigjähriges Berufsleben in der Bank zurück, hat es sich bewährt, eine Balance zwischen eigenen, langjährig gelebten Routinen und den schnelllebigen Veränderungen zu entwickeln. Das ist mein persönlicher Kompass für innere Stabilität, den ich mir auch bewahren werde.

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