10
November
2017
|
09:54
Europe/Amsterdam

Neue Arbeitsform

Arbeitest du noch oder schwärmst du schon?

 

Von Katharina Diem - Was ist eigentlich ein Schwarm? „Eine größere Anzahl sich durcheinanderwimmelnd zusammen fortbewegender gleichartiger Wesen“ – so der Duden. Eigentlich kennt man diesen Begriff aus dem Tierreich. Dort schließen sich Tiere, wie zum Beispiel Fische oder Vögel, der meist gleichen Art zu einem Schwarm zusammen, um auf Nahrungssuche zu gehen oder sich vor Fressfeinden zu schützen. Tierreich, Nahrungssuche, was hat das in unserer Bank zu suchen? Es geht um das Arbeiten im Schwarm – ein neues Modell, das als Pilotprojekt in Daimlers Finanzsparte durchgeführt wird. Es bricht die herkömmlichen Strukturen im Unternehmen auf und sorgt so erstmal für kreative Unruhe. Katharina Diem schwärmt nun seit einem halben Jahr und zieht ein erstes Resümee.

Es ist erst ein paar Monate her, da hatte ich noch einen gewöhnlichen Arbeitsalltag - als HR Market Manager für Europa bei Daimler Financial Services. Ich hatte ein Stellenprofil mit klaren Aufgaben und Verantwortlichkeiten, definiert von meiner Führungskraft. Seit Mai hat sich das ziemlich verändert: Mit fünf Kollegen aus dem HR-Bereich und einem IT-Kollegen arbeite ich seither in einem Schwarm. Zugegeben, anfangs konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, wie das funktioniert. Ich wusste nur, dass Schwarm-Organisationen mehr Dynamik und Flexibilität ins Unternehmen bringen sollen.

Die ersten Tage in meinem neuen Team waren ungewohnt, denn arbeiten im Schwarm bedeutet eben kein Stellenprofil, keine festen Rollen – und keine Führungskraft! Agilität ist das Motto. Unser Ziel ist, Prozesse und Systeme im HR-Bereich effizienter zu machen, indem wir sie transformieren, automatisieren oder digitalisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir im Team in sogenannten Sprints, in denen wir im Vorfeld definierte Arbeitspakete bearbeiten. Vor und nach einem Sprint, der in der Regel zwischen 3 und 4 Wochen dauert, haben wir ein Planungs- und ein Review-Meeting. Dabei besprechen wir, was wir für den kommenden Sprint geplant haben – und was wir im vorangegangen Sprint erreicht haben.

 

Auch ein morgendliches Update gehört fix zu unserem Arbeitstag. Dadurch bekommen wir einen guten Überblick darüber, wer gerade an was arbeitet und vor welchen Herausforderungen wir stehen. Für unsere Zusammenarbeit als Team ist das essentiell. Denn durch die bunte Zusammensetzung haben wir zwar eine wunderbare Vielfalt im Hinblick auf Erfahrung und Qualifikation, aber gleichzeitig müssen wir unterschiedliche Meinungen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen. Das kann unter Umständen zu intensiven Diskussionen führen – wahre Demokratie hautnah!

Unsere neue Autonomie bringt unfassbar viel Freiraum mit sich und erfordert daher ein hohes Maß an Selbstorganisation und Eigeninitiative. Nach jedem Sprint reflektieren wir gemeinsam, was uns besonders gut gelungen ist, was wir verändern oder verbessern wollen. Das betrifft sowohl die Zusammenarbeit als auch unseren fachlichen Ansatz. Diese kontinuierliche Reflektion und den offenen Austausch mit meinen Kollegen schätze ich sehr.

 

Oft bekomme ich zu hören: Klingt ja alles schön und gut, aber geht das überhaupt? Können Mitarbeiter ohne die traditionellen Strukturen erfolgreich arbeiten? Entgegen manch verbreiteter Meinung läuft das Arbeiten im Schwarm trotz der hohen Agilität sehr strukturiert ab. Gerade, weil die üblichen Pfeiler fehlen, ist ein genaues Aufgabentracking wichtig, um ein Projekt erfolgreich umsetzen zu können. Und nach wie vor bewegen wir uns immer noch innerhalb der Prozesse und Richtlinien eines Unternehmens mit 280.000 Mitarbeitern und eben nicht in einem Start-up – dadurch sind uns natürliche Grenzen gesetzt.

Nach sechs Monaten kann ich sagen: Für mich war es die richtige Entscheidung, mich dem Schwarm anzuschließen. Die intensive und fokussierte Zusammenarbeit macht nicht nur Spaß, sie hat mich persönlich wachsen lassen! Ich bin davon überzeugt, dass der Ansatz viel Potenzial birgt – aber die Rahmenbedingungen müssen passen. Wichtig sind meiner Meinung nach vor allem die Zusammensetzung der Leute und das Arbeiten auf einer Augenhöhe. Dass man lange darüber diskutieren kann, was einen ‚richtigen Schwarm‘ ausmacht, will ich gar nicht bestreiten - nur dazu ermutigen, neugierig zu bleiben. Und nicht zu versuchen, das Thema in eine Schublade zu stecken – dafür ist es nämlich zu bunt!

 

Können Sie sich vorstellen, in einem Schwarm zu arbeiten?

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